OLG München zur ergänzenden Testamentsauslegung

Bei der ergänzenden Testamentsauslegung ist die allgemeine Lebenserfahrung zu berücksichtigen.

Eine ergänzende Testamentsauslegung wird dann herangezogen, wenn das Testament eine planwidrige Regelungslücke aufweist. Diese ist durch den festzustellenden Willen des Erblassers zu schließen. Dieser muss durch das Gesamtbild des Testaments zumindest andeutungsweise ausgedrückt worden sein. Im vorliegenden Fall hatte die Erblasserin ihre Cousine als Erbin eingesetzt. Diese verstarb jedoch vor dem Eintritt des Erbfalls. Die Erblasserin hatte für diesen Fall jedoch keine Anordnung getroffen.

Das OLG München kam zu der Überzeugung, dass die Erblasserin die Tochter ihrer Cousine als Ersatzerbin benannt hätte, wenn sie diesen Fall bedacht hätte. Für diese Annahme ist maßgeblich, dass die Erblasserin ihre Cousine als Erste ihres Stammes und nicht lediglich als Person bedacht hatte. Dafür spricht, dass sie ihr Vermögen auf die drei Stämme aus der mütterlichen Linie gleichmäßig verteilt hatte.
 
OLG München, Urteil OLG Muenchen 31 Wx 378 16 vom 26.04.2017
Normen: BGB § 2069; GnotkG § 22 Abs. 1
[bns]
 
kame-gesc 2017-06-23 wid-241 drtm-bns 2017-06-23